„Königreich-jetzt“ Theologie: Was ist das?

Viel liest und hört man in diesen Tagen davon, wie wir „den Himmel auf die Erde holen“ können, es gibt immer mehr Bücher in den Gemeinderegalen, in denen wir Anleitungen bekommen, „den Himmel zu besuchen“. Was eigentlich schlicht eine Astralreise oder Phantasiereise ist, wie sie in der Esoterik üblich ist, wird als christlich legitim, ja sogar notwendig verkauft. Mir scheint, je chaotischer unsere Welt um uns herum wird, desto größer ist die Sehnsucht nach dem Himmel als einem Ort ohne Leid.

„Denn auf dieser Erde gibt es keine Stadt, in der wir für immer zu Hause sein können. Sehnsüchtig warten wir auf die Stadt, die im Himmel für uns erbaut ist.“ (Hebräer 13,14)

Darum wartet die ganze Schöpfung sehnsüchtig und voller Hoffnung auf den Tag, an dem Gott seine Kinder in diese Herrlichkeit aufnimmt.“(Römer 8,19)

Im Privaten wird das „nicht erwarten können“ zunehmend durch Visualisierungen gesättigt, aber auch im größeren gibt es enorme Bestrebungen, unsere Welt zu einem Himmel auf der Erde zu machen. Hierzu ist der untere Artikel aus dem Englischen übersetzt worden.

Was ist christlicher Dominionismus?

„Dominionismus“, oder „christlicher Dominionismus“ ist ein Begriff der von Sozialwissenschaftlern geprägt und von Journalisten bekanntgemacht wurde, um eine spezielle Gruppe amerikanischer Christen zu bezeichnen. Diese Gruppe Christen ist konservativ, politisch aktiv und glaubt, das Christen die Kontrolle über die Regierung bekommen sollten und eventuell auch bekommen werden. Konservative, politisch aktive Christen werden manchmal mit in diese Schublade gesteckt, aber nicht jeder konservative, politisch gesinnter Christ ist ein Dominionist.

Christliche Dominionisten glauben, dass Gott die Christen dazu bestimmt hat, gesellschaftlich an die Macht zu kommen, so das Gottes Wort dann das Volk regieren kann. Der Glaube, dass „Amerika eine christliche Nation ist“, wird manchmal „sanfter Dominionismus“ genannt; die Idee, dass Gott möchte, dass einzig und allein Christen das Regierungsamt innehaben und das Land gemäß der biblischen Gesetze führen, wird „Harter Dominionismus genannt“.

Die theologische Glauben des Dominionismus ist gegründet auf Genesis 1,28, wo steht: Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

Diese Verse wurden von Christlichen Dominionisten genommen, als ein göttliches Mandat, um Anspruch auf die Herrschaft  über die Erde zu erheben, und das im physikalischen, spirituellen und politischen Sinne. Dies ist jedoch weit davon entfernt von dem Text, welcher nur von einer Herrschaft über die Geschöpfe der Erde spricht, und davon, sich die Erde „untertan“ zu machen.

Wahrscheinlicher ist es, dass dieser Vers für die Menschheit einfach bedeutet,

a) sich zu vermehren und sich über die Erde auszubreiten, statt nur an einem Platz zu bleiben

b) sich um alles Lebende zu kümmern und zu sorgen. Es gab keine politischen Unternehmungen im Buch 1. Mose.

Wie auch immer, die Theologie des Dominionismus geht noch weiter mit diesem Vers und führt zu zwei weiteren Philosophien:

Christliche Widerherstellung (Christian Reconstructionism) und die „Königreich-jetzt“ Theologie.“Christian Reconstructionism“ ist eine intelektuell hochgesinnte Weltanschauung, am bekanntesten unter konservativen Zweigen des Christlichen Glaubens. „Reconstructionism“ besagt, dass die Herrschaft dadurch erreicht wird, dass jeder Christ in seinem persönlichen Umfeld durch Spitzenleistungen herausragt. (Christliche Künstler dominieren in der Welt der Künste, Geschäftsmänner übernehmen die Führung in der Geschäftswelt, usw., bis alle Systeme und Gebiete „unterworfen“ sind.)

Die „Königreich-jetzt-Theologie“, am meisten bekannt in charismatischen und pfingstlerischen Gruppierungen, konzentriert sich auf die Herrschaft über die Erde mit Hilfe der geistlichen Kriegsführung. „Kingdom-Now“ Anhänger glauben, dass Satan vor langer Zeit die „Schlüssel der  geistlichen Herrschaft stahl“,  als er Adam und Eva verführte.

Dann, als Christus Petrus „die Schlüssel zum Königreich“ übergab, in Matthäus 16,19, war dies das Zeichen, dass die Herrschaft wieder zu den Menschen zurück gekehrt ist. Jetzt liegt es an uns, „zurückzuholen“, was uns rechtmäßig gehört- und das bedeutet die Herrschaft über die Erde auszurufen und sie spirituell für Christus zu unterwerfen. Befürworter der Königreich jetzt Theologie glauben, dass das ergreifen der Herrschaft, Christen in politischen Ämtern, plus eine Rückkehr spiritueller Kraft, manifestieren von Zeichen, Wundern und Heilung einschließt.

Königreich-Jetzt Theologie wird beispielsweise in dem Buch „When Heaven Invades Earth“  von Bill Johnson, Pastor der Bethel Church in Redding gelehrt.

Während viele wohlmeindende Christen von diesen Philosophien angezogen werden, ist christlicher Dominionismus in dieser Ausführung unbiblisch. Obwohl dieses Denkweise vorgibt auf biblischen Prinzipen zu beruhen, führen „christlicher Reconstructionism“ und die „Königreich-jetzt-Theologie“ weg vom Herzen und der Botschaft des Evangeliums.

Es ist verständlich, dass Christen, bekümmert von z.B. von Abtreibung und dem allgemeinen moralischen Chaos einer relativistischen Gesellschaft, die Kontrolle über die Kultur haben wollen und sie zurück in eine vernünftige Richtung steuern möchten. Dennoch bietet der Dominionismus keine gangbare biblische Möglichkeit.

Auf eine gewisse Art und Weise, hatten die Jünger eine „Königreich-Jetzt“ Denkweise.

Sie dachten, dass Jesus der sofortige Türöffner für das Königreich sei und die römische Herrschaft beenden würde (siehe Lukas 19,11). Aber das war es nicht, was Jesus war, und das ist auch nicht, das, was er heute ist. Wir gehören zu einem himmlischen Reich, das nicht von dieser Welt ist (Johannes 8, 23). Wir suchen eine andere Heimat, eine Stadt „mit festem Grund“ (Hebräer 11,10;14;13:14). Die Welt vergeht (1.Korinther 7,31; Johannes 2,17, Kolosser 3,2-5)

Es ist richtig und gut, sehen zu wollen, dass Gerechtigkeit geübt wird und biblische Prinzipien eingehalten werden (Psalm 33,5, Amos 5,15, Micha 6,8). Und es ist auch gut und richtig alles zur Ehre unseres Herrn zu tun (1.Korinther 13,31).

Wir sind Salz und Licht (Matthäus 5,13-16) und es ist durchaus sinnvoll für Christen eine Stelle in der Regierung zu haben und in anderen Bereichen der Gesellschaft. Aber „das Königreich der Himmel auf die Erde zu bringen“ ist nicht unser Auftrag. Unser Auftrag ist es, den Menschen die wunderbare Nachricht zu erzählen, dass Gott uns -trotz des kranken, sündigen Zustandes unserer Seelen- die Erlösung  zur Verfügung gestellt hat, durch das Opfer seines Sohnes (Römer 5,6-8)

Aus Gnade, durch den Glauben, werden wir Bürger einer perfekten Welt, die ewig dauern wird (Epheser 2,8-9), (+Philipper 3,20-21 Anmerk. des Übersetzers).

 

Hier wird auch oft von  „7 Mountains“ gesprochen… Die sieben Bereiche, auch oder „7 Spheres“ genannt sind: 1) Politik, 2) Wirtschaft, 3) Medien, 4) Kunst und Unterhaltung, 5) Bildung, 6) Familie und 7) Religion. In all diesen Bereichen sollen die Christen erfolgreich werden.

Christlicher Dominionismus versucht, diese Welt mit politischer Schlagkraft zu perfektionieren, aber es ist der Geist, der die Veränderung bringen muss (Sacharja 4,6). Eines Tages wird Jesus sein Königreich auf der Erde aufrichten, in Gerechtigkeit und Heiligkeit, und das wird das Ende des Weltsystems bedeuten.

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